Muslimische Kita in Köln

Kindertagesstätten sind die pastoralen Orte der Zukunft. Und deren Welt ist bunt! Denn schon früh treffen dort Kinder mit verschiedenen kulturellen und religiösen Prägungen aufeinander. Diese Vielfalt ist Chance und Herausforderung zugleich – vor allem für die religionspädagogische Arbeit. Denn es stellt sich die Frage, wie es die konfessionellen Kitas schaffen, ihre eigene Identität zu bewahren, gleichzeitig aber den Kindern anderer Glaubensrichtungen ebenfalls gerecht zu werden.  

Über 20 Verantwortliche für den interreligiösen Dialog aus den (Erz-)Bistümern Osnabrück, Essen, Paderborn, Köln, Münster und Aachen haben sich in der muslimischen Kita Amana des Begegnungs- und Fortbildungszentrum muslimischer Frauen (BFmF) in Köln zum Fachaustausch getroffen. Denn das Thema betrifft alle Verantwortlichen im Kitabereich. Aus Münster waren Vertreter aus der Steuerungsgruppe des Projekts Kita - Lebensort des Glaubens angereist.

Die Kita Amana ist die erste muslimische Kita in Köln.  „Wir wollen in unserer Kita nicht die Glaubensinhalte unserer Religion lehrend vermitteln“, erklärte Hanim Ezder, stellv. Geschäftsführerin des BFmF. „Vielmehr versuchen wir, deren Grundsätze in unseren Alltag zu integrieren und unsere Lebensweise danach ausrichten.“ 24 Kinder bis zu drei Jahren werden in der Kita betreut. Vier Kinder jüdischen oder russisch-orthodox Glaubens und zwei konfessionslose sind darunter. Auch in Amana gibt die Mehrheitsreligion die – muslimischen – religiösen Riten und Gebräuche vor. Wie kann man den anderen Religionen gerecht werden, ohne die eigene religiöse Identität aufzugeben oder zu verwässern? Wie kann die religionspädagogische Erziehung aussehen?

Ezder verweist auf die gemeinsamen Wurzeln der drei monotheistischen Weltreligionen. „Wir sind alles Abrahams Kinder.“ Aus dieser Haltung ist die Idee des Prophetenbaums, eines Stammbaums des muslimischen Glaubens, entstanden. „Auf den Zetteln steht aber auch, in welchen Religionen die Propheten noch auftauchen, wie zum Beispiel Abraham im Judentum und Christentum.“   

Eine Erzieherin aus einer katholischen Kita im Ruhrgebiet erzählte, dass von den 70 Kindern ihrer Einrichtung, noch acht katholisch seien, alle anderen muslimisch oder gar nichts. „Wie kann ich da die eigene Identität bewahren?“, stellte sie die Frage in den Raum. Hanim Ezder verwies dabei auf die Bedeutung der Wertevermittlung. „Die Eltern unserer Kinder haben sich bewusst für eine konfessionelle Kita entschieden, auch wenn es nicht die der eigenen Religion ist. Denn dort bekommt das Kind Werte vermittelt, die Erziehung geschieht aus einer anderen Haltung heraus – anders als bei städtischen Kitas.“ Deswegen würden viele muslimische Eltern ihre Kinder in christliche Kitas geben.  

„Wir haben gemeinsame Werte, gemeinsame Wurzeln. Aber es gibt auch Unterschiede“, betonte Ezder und warnte vor der Tendenz, „einen Einheitsbrei daraus zu machen“. Vielmehr ermutigte sie die Erzieherinnen, sich mit den anderen Religionen auseinander zu setzen, sich Grundwissen anzueignen und gleichzeitig ihre Verankerung in der eigenen Religion zu stärken, sich ihres eigenen Glaubens zu vergewissern. „Denn dann werden Sie sprachfähig und erhalten Respekt von den andersgläubigen Eltern, weil die sich wertgeschätzt fühlen: ´toll, die kennen sich auch bei uns aus, die interessieren sich für uns`.“ Sie schlug vor, die Eltern mit einzubeziehen, sie einmal in die Kirche mitzunehmen, deren Ängste ernst zu nehmen und umsichtig mit den Kindern umzugehen. „Dann passiert es auch nicht, dass ein muslimisches Kind zum Entsetzen der Eltern mit einem Aschekreuz auf der Stirn nach Hause kommt. Das Kind soll nicht ausgeschlossen werden, sondern erklärt bekommen, was das mit dem Kreuz auf sich hat. Dann kann es ruhig mit in die Kirche gehen und anstatt des Kreuzes zum Beispiel die Hand geschüttelt bekommen.“ Das Vertrauen in die Erzieherinnen müsse da sein, dass den Kindern im Gottesdienst nichts passiere – und das geschehe durch offene Kommunikation.

Das Gleiche gelte für die Essensregeln: jüdische und muslimische Kinder dürfen nicht alles essen, Schweinefleisch ist zum Beispiel verboten. „Wir finden es wichtig, auf die Bedürfnisse der Kinder und Eltern einzugehen. Wenn Kinder eine Laktose-Intoleranz haben, reagiere ich ja auch darauf“, erklärte Ezder. „Mit dieser Einstellung gewinne ich sogar die Eltern für mich. Die bekommen eine positive Einstellung der Einrichtung gegenüber, wenn sie feststellen, dass auch auf so etwas wie Essen geachtet wird.“   

Ansprechpartner

Projektleitung
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Telefon: 0251 8901-254
wiggering@caritas-muenster.de

Projektbegleitung Franz Hitze Haus
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mohr@franz-hitze-haus.de

Sekretariat und Sachbearbeitung
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Telefon: 0251 495-551
projekt-kita@bistum-muenster.de

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