Warum Kirche als Arbeitgeber gerade heute noch attraktiv ist

Akteure beim Kita-Fachtag (v.l.n.r.): Diethelm Schaden, Leiter der Abteilung Personal, Organisation und Zentrale Dienste im Bistum Münster, Rita Helter, Personalleiterin bei Viadee IT-Unternehmensberatung, Sebastian Mohr, Fachbereichsleiter Akademie Franz Hitze Haus, Daniela Surmann, Geschäftsführerin der KTK-Diözesan-AG Münster, Ludger Althoff, Leiter der Kita Villa Regine, Caritasverband für das Dekanat Ahlen e.V., Kathrin Wiggering, Leiterin Aktionsprogramm Kita – Lebensort des Glaubens, Professor Matthias Sellmann, Pastoraltheologe, ZAP Bochum, Regina Busch, Verbundleiterin, Voerde, Dr. Benedikt Jürgens, Arbeitsstelle für kirchliche Führungsforschung, ZAP Bochum, Frank Jansen, Geschäftsführer des Verbands Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder (KTK) Freiburg, Melanie Wielens, Moderatorin.

"Mehr als 620.000 Menschen sind in Deutschland im Bereich der Pädagogik in Kindertageseinrichtungen tätig“, berichtete Sebastian Mohr den knapp 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der neunten Fachtagung des Aktionsprogramms „Kita – Lebensort des Glaubens“, die in der Münsteraner Akademie Franz Hitze Haus (FHH) in Kooperation mit der KTK-Diözesan-AG im Bistum Münster durchgeführt wurde. Innerhalb von zehn Jahren sei diese Zahl um 200.000 angestiegen. „Ein unglaublicher Zuwachs an Fachkräften“, freute sich Mohr, Begleiter des Aktionsprogramms und FHH-Dozent zu Beginn der Veranstaltung „In ´himmlischen Diensten`? Womit Kirche als attraktiver Arbeitgeber punkten kann“. Es gäbe nun aber das Problem, dass „freie Stellen nur noch schwer zu besetzen sind“. Womit kann die katholische Kirche als Arbeitgeber in dieser Gemengelage punkten?

„Die Rahmenbedingungen für Kitas  haben sich schnell und massiv verändert“, stellte Ulrich Hörsting, Leiter der Hauptabteilung Verwaltung im Bischöflichen Generalvikariat des Bistums Münster zu Beginn seines Vortrags fest: Ausbau der Betreuungsplätze, Verlängerte Betreuungszeiten, das Thema Inklusion, Kinder mit Migrationshintergrund forderten die Kindertageseinrichtungen immer wieder neu.

Über 33 Millionen Euro investiere das Bistum dafür alleine 2019 in die Kitas. Das sei deutlich mehr als es der gesetzlich geregelte Trägeranteil von zwölf Prozent, der bei 26 Millionen liege, vorschreibe. „Die Kitas sind es uns wert“. Hörsting betonte, dass das Bistum mit den Kitas in Trägerschaft der Pfarreien ein Angebot schaffen wolle, „für das sich Eltern und potentielle Arbeitnehmer bewusst entscheiden“ Die Kitas würden vorrangig als pastorale Aufgabe des Bistums angesehen.

Kurz darauf ließ er eine Bombe platzen: „Das Bistum Münster wird jede Kita-Gruppe mit einem Laptop ausstatten.“ – Das Erstaunen bei den Teilnehmenden wich kurz darauf einem lauten Applaus. In Zahlen ausgedrückt heißt das, dass „für die 665 katholischen Kindertageseinrichtungen in Trägerschaft der Pfarreien im nordrhein-westfälischen Teil mindestens 1.300 Geräte neu angeschafft werden“, sagte der Finanzchef und betonte, dass die Zahl 1.300 als Richtwert zu verstehen sei, „um die Dimension der Investition vor Augen zu führen“. Damit verbunden sei gleichzeitig die Schaffung einer entsprechenden Infrastruktur wie WLAN oder Bereitstellung der Software.

Durch die Anforderungen der Dokumentationen der Entwicklung der Kinder und ähnliche Aufgaben sei die technische Ausstattung immer wichtiger. Da reiche ein Gerät pro Einrichtung nicht mehr aus.  Das Bistum möchte mit der Laptop-Offensive „die technischen Rahmenbedingungen in der Einrichtungen verbessern“. Es sei das Ziel des Bistums, auch mit Hilfe des Aktionsprogramms sowie durch Fortbildungen und Fachberatung, „ein Angebot profilierter Häuser zu unterhalten, dass für Erzieherinnen und Erzieher, aber auch für Eltern attraktiv ist.“

Überrascht war auch ein Teil der Teilnehmenden der Fachtagung, als Diethelm Schaden, Personalchef des Bistums erklärte, dass „in den katholischen Kitas im Bistum die Erzieherinnen und Erzieher nicht mehr zwingend katholisch“ sein müssten. Mit dieser Entscheidung reagiere das Bistum auf Urteile diverser Arbeitsgerichte zum Diskriminierungsverbot. Stellen von Verbundleitungen und Leitungen einzelner Kindertageseinrichtungen ohne Verbundleitung sollten aber weiterhin mit katholischen Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern besetzt werden.

Für Erzieherinnen oder Erzieher bar welcher Konfession gelte, dass sie sich mit den Zielen der katholischen Kirche identifizieren und diese im Sinn des Trägers umsetzen müssten. In Stellenausschreibungen und Vorstellungsgespräche würde nun deutlich hervorgehoben, dass Interessierte „das katholische Profil der Einrichtung akzeptieren, sich mit dem Grundauftrag der Kita identifizieren müssen und sich bereit erklären, das pädagogische Konzept mitzutragen und Fortbildungen zu besuchen“. Unter den rund 23.000 kirchlich Beschäftigten im Bistum seien allein 8.300 Erzieherinnen und Erzieher – also mehr als jeder Dritte.

Nach den Zahlen und Fakten stand der Nachmittag ganz im Zeichen einer pastoraltheologischen Annäherung an das Thema Arbeitsplatz katholische Kita. Professor Matthias Sellmann, Pastoraltheologe vom Zentrum für angewandte Pastoralforschung (ZAP) aus Bochum, begann seinen launigen Vortrag mit den Worten: „Erzieherinnen sind Expertinnen für Vertrauensbildung.“ Sellmann richtete einen bibeltheologischen Blick auf „die Art, wie Jesus Beziehung gestaltet hat und was wir daraus lernen können. Wie heilt Jesus?“, fragte er sich und antwortete: Jesus folge einer Grunddramaturgie, die „als Beispiel für religiöse Erziehung“ herangezogen werden könne. „Jesus ist zugänglich für Leute mit normalen Anliegen des Alltags“, erklärte der Professor. Die Kita habe auch ein Ohr für die Sorgen und Anliegen der Eltern und Kinder. „Die wissen, da in der Kita kann ich darüber reden“.

Danach lenkte er das Augenmerk darauf, dass die Menschen ein Risiko eingingen, um Jesus zu begegnen. Sie zeigten Einsatz für ihr Leben. „In der Kita zeigen Sie Einsatz für das Leben der Kinder.“ Konkret bedeute das, dass die Kinder in der Kita die Chance bekämen, Primärvertrauen kennen zu lernen. „Das macht uns zum Menschen.“ Daher sei es die Aufgabe religiöser Erziehung, „eine Deutungssprache anzubieten, wie Rituale, Segen, Feste im Kirchenjahr. Erzieher sind vor allem Profis ihres Fachs, Expertinnen für Vertrauens- und Glaubensaufbau. Anbieterinnen für eine biographische Deutungssprache, speziell die religiöse.“

Nachgefragt...

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Telefon:0251 495-577
bleimann@bistum-muenster.de

Leitung des Aktionsprogramms      DiCV Münster
Kathrin Wiggering
Telefon: 0251 8901-254
wiggering@caritas-muenster.de

Sekretariat und Sachbearbeitung
Vanessa Fliß
Telefon: 0251 495-551
kita-aktionsprogramm@bistum-muenster.de

Begleitung des Aktionsprogramms Akademie Franz Hitze Haus
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Telefon: 0251 9818-460
mohr@franz-hitze-haus.de

Mitarbeiterin des Aktionsprogramms (Kooperation Uni Münster)
Karolin Thater
thater@bistum-muenster.de

Mitarbeiterin des Aktionsprogramms (Kooperation Uni Bochum/ZAP)
Alina Brinkmann
alina.brinkmann@rub.de

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