Weihbischof Hegge im Interview

„Es ist toll, was Sie alles mit so viel Eigeninitiative auf die Beine stellen“, freute sich Weihbischof Dr. Christoph Hegge über das Engagement der Erzieherinnen der sieben katholischen Kindertageseinrichtungen in Borken. Er hatte sich im Rahmen einer Visitation in der Propsteigemeinde St. Remigius mit den Leitungen und der Verbundleitung zum Austausch getroffen. Der Kita-Verbund nimmt am Aktionsprogramm „Kita – Lebensort des Glaubens“ des Bistums Münster teil und berichtete dem Weihbischof über die gemachten Erfahrungen. Ein Grund für uns, einmal nachzufragen, was Weihbischof Hegge über das Programm denkt, warum es gut ist, dass es so eine Initiative im Bistum gibt und warum es für ihn sogar eine „Bereicherung“ ist.

Aktionsprogramm: Sind katholische Kitas Lebensorte des Glaubens? 

Hegge: Selbstverständlich sind die katholischen Kindertageseinrichtungen ein Lebensort des Glaubens für die Kinder, deren Eltern und natürlich auch für die dort tätigen Erzieherinnen und Erzieher. Katholische Kitas sind Einrichtungen unserer Pfarreien im Bistum Münster. Sie gehören automatisch dazu, wie auch das Jugendheim, Altenheim, Krankenhaus usw. Insofern sind sie natürlich auch Lebensorte des Glaubens.

Woran erkenne ich das?

Durch ihre vielfältigen religionspädagogischen Angebote und durch das authentische christliche Leben der Erzieherinnen und Erzieher bieten die Kitas Kindern und Eltern religiöse Orientierung und geben Unterstützung in der Entwicklung des eigenen Glaubens: für den einzelnen Menschen und auch in der Gemeinschaft. Die Teams der Kitas berichten mir, dass sie die Kita auch als Einrichtung sehen, in der junge Familien religiöses Leben kennen lernen. Beispiele im Alltag sind exemplarisch ganz konkret: Die Feier des kirchlichen Jahreskreises mit den dazugehörigen Festen (Advent und Weihnachten, Fastenzeit und Ostern, das St. Martinsfest, Nikolaus), aber auch das konkrete Beten mit der Einübung einer Tischkultur des Teilens und der Rücksichtnahme, oder auch das Singen und die spielerische Annäherung an Heilige der Kirchengeschichte, das Einüben in Gebete, das Basteln von Gebetswürfeln, die Entdeckung der Schöpfung und viele Dinge mehr.

Das Aktionsprogramm wurde nun in eine feste Struktur überführt. Eine richtige Entscheidung angesichts knapper Kassen?

Das Engagement der Kirche für junge Menschen trifft einen Kernbereich kirchlichen Handelns. Wenn wir nun flächendeckend die Kitas hinsichtlich ihrer religionspädagogischen Arbeit unterstützen, dann finde ich das gut. Weil es nochmals die verschiedenen Zielgruppen, also die Erzieherinnen und Erzieher, insbesondere die Kinder und auch die Eltern hinsichtlich der Glaubensverkündigung mit Grundwissen und den ganz alltäglichen Fragen des Glaubens in den Blick nimmt. Auch finde ich gut, dass der Ansatz netzwerkorientiert ist und verschiedene Akteure in einer Pfarrei, einem Stadtteil usw. zusammenbringt.

Was erhoffen Sie sich davon? Missionierung durch die Hintertür?

Missionierung durch die Hintertür ist überhaupt nicht die richtige Frage. Es geht darum, dass wir als katholische Kirche im Bistum Münster, dass unsere Pfarreien, Träger der Kitas sind und ihre Botschaft von Jesus Christus offen in die Gesellschaft mit all‘ ihren Lebensbezügen einbringen. Das ist kirchliches Selbstverständnis. Und ich hoffe nicht, dass wir Kitas in kirchlicher Trägerschaft haben, die nach dem Motto arbeiten „weil es ja einer machen muss“, sondern dass wir mit einem christlichen Selbstverständnis und Profil unterwegs sind. Die Menschen sollen spüren, was der Unterschied einer Kita in katholischer Trägerschaft oder sonstiger freien Trägerschaft ist. Ist das nicht mehr spür- und erlebbar, dann stellen sich Kitas in ihrer christlichen Existenzberechtigung selbst in Frage.

Was macht den Unterschied?

Für uns Christen steht der Mensch in seiner Würde und Freiheit im Mittelpunkt. Es geht um das Wachstum der Persönlichkeit im Licht der Botschaft Jesu, die zutiefst geprägt ist von Liebe, Frieden, Vertrauen, Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität.

Auf Ihren Visitationen sind Sie in Kontakt mit an dem Aktionsprogramm beteiligten Kitas gekommen. Was berichten Ihnen die Erzieherinnen und Erzieher über ihre Erfahrungen?

Ich habe im Rahmen meiner Visitationen ungefähr 40 Kindertageseinrichtungen und Familienzentren besucht und mir ist Vieles aus dem Alltag dieser Einrichtungen ganz praktisch bekannt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter berichten mir immer wieder, dass Ihnen die religionspädagogische Arbeit, die Sprachfähigkeit im Glauben, ein wichtiges Anliegen ist. Dies einerseits bezogen auf die Teams selbst, aber auch in der konkreten Arbeit mit den Kindern und der Elternarbeit. Das Aktionsprogramm war ja zunächst als Pilotprojekt gestartet und ist nun in eine feste Struktur in unserem Bistum übergegangen. Die Rückmeldungen sind so, dass die Kitas und die Pastoralteams in den einzelnen Pfarreien deutlich spüren, dass das Programm eine Bereicherung der gemeinsamen pastoralen Arbeit ist und dadurch ein familien-pastorales Netzwerk entsteht.

Warum haben die Kitas am Aktionsprogramm teilgenommen?

Viele Kitas nehmen die Einladung zur Mitarbeit am Aktionsprogramm „Kita-Lebensort des Glaubens“ gerne an, weil sie hier inhaltlich ganz praktische Unterstützung erfahren. Die Motive der Mitarbeit im Programm sind vielfältig: Der Wunsch die eigene Sprachfähigkeit im Glauben zu festigen ist sicherlich für die Teams ein großes Motiv. Auch Eltern sind dankbar für ein klares Profil der Einrichtungen, welches durch das Programm ja nochmal geschärft wird. Das erlebe ich bei den Kitas, aber auch bei den Privatschulen in katholischer Trägerschaft. Es ist schon ein interessantes Phänomen, dass Eltern darauf wert legen, dass ihre Kinder in unsere Einrichtungen gehen, diese Entscheidung aber oft nicht zwingend mit dem eigenen Glauben der Eltern einhergeht. Das ist die Realität. Kurz zusammengefasst erleben die Kitas und auch ich das Aktionsprogramm als Bereicherung!

Was ist der Auftrag der Kirche dabei?

Kirche hat den Auftrag, und wir sind als Christen dazu berufen, den Menschen in allen Alters- und Lebenssituationen Zeugnis der Frohen Botschaft Gottes, der das Leben in Fülle für uns will, zu geben. Wir sind hier als Bistum Münster sehr engagiert. Nur grob ein paar Zahlen: Fast die Hälfte aller Plätze in Tageseinrichtungen im Gebiet des Bistums Münster werden von der katholischen Kirche angeboten. Über 45.200 Kinder besuchen unsere 664 Kindertageseinrichtungen in Trägerschaft der Kirchengemeinden des Bistums und es fließen rund 26 Millionen Euro als jährlicher Betriebskostenzuschuss seitens des Bistums in die Kitas.

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AnsprechpartnerInnen

Fachstelle Kita-Pastoral/BGV Münster Leitung des Aktionsprogramms        
Marcus Bleimann
Telefon:0251 495-577
bleimann@bistum-muenster.de

Leitung des Aktionsprogramms      DiCV Münster
Kathrin Wiggering
Telefon: 0251 8901-254
wiggering@caritas-muenster.de

Sekretariat und Sachbearbeitung
Vanessa Fliß
Telefon: 0251 495-551
kita-aktionsprogramm@bistum-muenster.de

Begleitung des Aktionsprogramms Akademie Franz Hitze Haus
Sebastian Mohr
Telefon: 0251 9818-460
mohr@franz-hitze-haus.de

Mitarbeiterin des Aktionsprogramms (Kooperation Uni Münster)
Karolin Thater
thater@bistum-muenster.de

Mitarbeiterin des Aktionsprogramms (Kooperation Uni Bochum/ZAP)
Alina Brinkmann
alina.brinkmann@rub.de

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