„Hallelu, Hallelu, Hallelu, Halleluja – Preiset den Herrn.“ schallt es lebhaft durch die St. Paulus-Kirche in Recklinghausen. Und als ob Singen am frühen Morgen für sich genommen nicht schon eine Herausforderung darstellt, sollten die Männer mit dem „Halleluja“ beginnen und dabei singend aufstehen, bevor die Frauen den Herrn preisen würden – ebenfalls im Stehen. Das ständige Auf und Ab sorgte für einen guten Puls und herzhaftes Lachen. Der Ton für den Tag war gesetzt.
300 pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den 22 katholischen Kitas in Recklinghausen haben sich zu Beginn des Fachtags „Spurensuche: Religion im Kita-Alltag“ in der Kirche versammelt. „Es geht darum, die hier versammelten geballten Fähigkeiten, Talente und Interessen eines jeden und jeder Einzelnen zusammen zu legen: für das große Mehr. Für unsere katholischen Kitas auf Stadtebene“, erzählt Katharina Müller, Pastoralreferentin in St. Peter. „Dieser Fachtag ist der Startschuss auf unserem gemeinsamen, kooperativen Weg.“ Gleichzeitig sei der Fachtag „nicht nur ein starkes Signal für die Zusammenarbeit in Recklinghausen“, ergänzt Sarah Reinhardt, Verbundleitung St. Antonius, „sondern auch ein Impuls, wie Kita-Pastoral gemeinsam weiterwachsen kann und die Kitas als Lebensorte des Glaubens aktiv zu einer lebendigen Gemeinschaft beitragen können.“
Das Konzept zu diesem Tag ist in der Arbeitsgruppe „AG Zukunft“ entstanden, die Anfang des Jahres 2024 gegründet wurde. Vertreterinnen und Vertreter der drei Pfarreien und der Caritas hätten gemeinsam überlegt, was „wir Kita-übergreifend anbieten können“, berichtet Pastoralreferentin Katharina Müller. Die Idee zu einem gemeinsamen Fachtag sei dabei in der Gruppe schon früh diskutiert worden. Im Mittelpunkt das Tages sollte die Frage stehen, wie Pastoral im Alltag gelebt werden könne. „Es muss nicht immer über Gott gesprochen oder gebetet werden. Gott ist immer da, egal, was wir gerade tun“, betont Müller. „Es kommt dabei auf die Haltung an“, ergänzt Reinhardt. „Ich muss nicht wahnsinnig Theologie studiert haben oder die Bibel auswendig hersagen können. Es geht um eine Haltung, die aus einem Gottesbezug entsteht.“
„Viele Erziehenden trauen sich oft nicht genug zu, was die pastorale Arbeit betrifft, und überlassen das lieber dem Pfarrer und anderem kirchlichen Personal“, erläutert Johanna Schulte, Leiterin der Familienbildungsstätte (FBS) Recklinghausen, Netzwerkpartnerin für die Kitas und Teil der AG Zukunft. Dabei laufe in den Kitas schon so viel an pastoraler Arbeit, die aber auf den ersten Blick für die Erziehenden nicht als solche erkennbar sei. „Letztendlich geht es um eine Übertragung von christlichem Glauben ins Tun und darum, wie wir den Kindern und ihren Familien begegnen: zugewandt, aufmerksam, freundlich.“ Schulte erhoffte sich von dem Tag, dass „Erzieherinnen und Erzieher gestärkt hier herausgehen und sich mehr zutrauen.“
Die Teilnehmenden konnten aus 20 Workshops zwei oder drei auswählen, die über den Tag verteilt mehrfach angeboten wurden. „Uns war es wichtig, dass für jeden etwas dabei ist“, erklärt Katharina Müller. Daher gab es „frommere Workshops und weniger fromme.“ So konnte man sich in den Straßen Recklinghausens auf Spurensuche nach Gott begeben oder sich zum Liedersingen in einer Schulaula treffen. „Es ging uns dabei um Themen wie Resilienz, Bewahrung der Schöpfung oder die Planung von Gottesdiensten, die im Kitalltag vorkommen“, ergänzt Johanna Schulte von der FBS. Gleichzeitig sollte der Tag aber auch eine Art „Netzwerktreffen“ sein, „bei dem man auf viele Bekannte aus anderen Kitas trifft und ungezwungen etwas gemeinsame Zeit miteinander verbringen kann, was ja sonst im Kita-Alltag nicht so vorkommt“, berichtet Reinhardt.
„Natürlich suchen wir ab und an auch nach religiösen Themen, zum Beispiel in Liedertexten. Aber natürlich nicht andauernd“, berichtet Oliver Psiuk, Erzieher in der Kita St. Markus. „Und trotzdem stellen wir fest, dass wir schon ganz viel in Sachen Religiöses machen, aber oft auch unbewusst“ Psiuk freut sich darüber, dass er an diesem Fachtag mit anderen Erziehenden über solche Themen in den Austausch kommen konnte. Und darüber, dass „ich Menschen aus anderen Kitas kennengelernt habe, was ja sonst so nicht passiert wäre. Das finde ich gut.“
Am Ende eines langen und ereignisreichen Tages wandte sich Stefanie Auditor vom Projekt „Kita – Lebensorte des Glaubens“ des Sachgebiets Kita-Pastoral des Bistums Münster mit persönlichen Worten an die Erziehenden: „Ihre Kitas sind Lebensorte des Glaubens. Auch und vor allem durch Sie. Weil Sie aus einer Haltung des Glaubens und der Christlichkeit heraus arbeiten.“ Und um auch nach außen kenntlich zu machen, dass die 22 katholischen Kitas in Recklinghausen Lebensorte des Glaubens sind, haben alle Kitas eine Tür-Plakette bekommen, die „von außen zeigt, was drin ist: eine Kita, die als ´Lebensort des Glaubens` ausgezeichnet ist.“
Die Vorderseite zeigt drei strahlende Kinder, die der Satz „Wir sind ein Lebensort des Glaubens“ wie ein Regenbogen überspannt. „Die drei Kinder, das sind Ida von Herzfeld, Liudger und Willibrord, drei Heilige des Bistums Münster“, führte Auditor aus. Es werde eine Verbindung bis in das Bistum hinein hergestellt – als Zeichen: Keiner arbeitet für sich allein. „Angesichts immer größer werdender pastoraler Räume zeigen wir, dass wir alle Teil einer großen Gemeinschaft sind.“
Text: Jürgen Flatken
